Dynamikrobuste Organisationen – was zeichnet sie aus?

 

Um zu verstehen, wie sich die Bergriffe dynamisch und robust im Unternehmenskontext entwickelt haben, gehen wir zu Beginn auf eine kleine Zeitreise. Im 19. Jahrhundert war alles noch sehr dynamisch. Nehmen wir hier ein Handwerk als Beispiel. Kam ein Kunde zum Schuhmacher und wollte seine Schuhe reparieren lassen, dann reagierte dieser darauf und kreierte eine Lösung. Das war relativ einfach, denn es gab nur einen Schuhmacher im Ort und dieser hatte, wenn überhaupt, noch einen Lehrling. Später in Industrialisierung entstanden dann die ersten Unternehmen mit Mitarbeitenden. Ziel war es, die Produktion und den Gewinn nach oben zu bringen und die Kosten zu senken. Dafür wurde begonnen Prozesse aufzusetzen und zu standardisieren. Die Menschen wurden den einzelnen Aufgaben im Prozess zugeordnet und die Organisationen dadurch immer robuster. Das hat so lange funktioniert, bis die Welt dynamischer, kurzfristiger und volatiler wurde.

Heute stehen wir vor der großen Herausforderung, dass die robusten Unternehmen, die wir in der Vergangenheit aufgebaut haben, plötzlich mit immer mehr Veränderungen klarkommen müssen. Zudem kommen die Herausforderungen immer schneller bei gleichzeitig steigender Komplexität. Unternehmen, die sich durch dynamische Veränderungen nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern schnell und flexibel darauf reagieren, werden zukünftig den Markt bestimmen. Doch nur wenn sie auch eine gewisse Robustheit aufweisen, sprich eine stabile Leistungserbringung und Ausdauer. Es braucht eine Kombination beider Ansätze.

 

Robuste Organisationen müssen Umdenken

Derzeit sind noch viele Unternehmen sehr robust ausgelegt. Es wird genau vorgegeben, was Mitarbeiter Maier zu tun hat. Bekommt er Teil A, weiss er, dass er Teil B jetzt fünfmal daran schrauben muss und damit ist sein Job getan. So erleben wir es tausendfach in Unternehmen. Doch dieses robuste System ist nicht darauf ausgelegt, mit Abweichungen umzugehen. Gehen wir noch einen Schritt weiter, dann lässt sich sagen, dass fast alle Menschen aus einem robusten Schulsystem herauskommen. Die Lehrenden definierten genau die Aufgaben und gaben dafür einen Lösungsweg vor. Wir haben also noch gar nicht richtig gelernt, dynamisch zu sein und deshalb wissen viele nicht wie sie mit neuen Kundenbedürfnissen, Lieferengpässen, fehlenden Rohstoffen, Fachkräftemangel und weiteren Herausforderungen umgehen sollen. Es braucht ein Umdenken.

 

Dynamisch Methoden einführen

In grösseren Konzernen wird schon länger nach Wegen gesucht, mit der immer dynamischeren Welt umzugehen und dynamische Elemente ins Unternehmen zu bringen. Start-up Methoden werden eingeführt, scheitern aber schon nach kurzer Zeit an der robusten Organisation und können keine Wirkung erzielen. Also werden einfach Start-ups gekauft, die separat laufen und so ihren Mehrwert einbringen können, ohne von robusten Prozessen erstickt zu werden. Fakt ist, dass wir in einer dynamischen Welt Könner bzw. Menschen brauchen, die wissen, wie sie mit Problemen umgehen und diese lösen. Oft finden wir diese in Start-ups, doch auch in mittelständischen Unternehmen gibt es solche Mitarbeitenden. Führungskräfte sollten daher einen genauen Blick in die eigenen Reihen werfen und das Potenzial herausheben, um eine dynamikrobuste Organisation aufzubauen.

 

Die Kunst der Verbindung

In der heutigen Businesswelt liegt die Kunst darin, die robusten Teile mit dynamischen Elementen zu verbinden und dafür zu sorgen, dass die Nahtstellen miteinander harmonieren. Stellen wir robuste Teile mit der Farbe Blau dar und dynamische in Rot, dann gilt es zu differenzieren, was rot bzw. blau bleiben soll und an welchen Stellen die Farben ineinander übergehen und in welcher Ausprägung das stattfinden soll. Wo braucht es mehr Dynamik? Wo braucht es mehr Können und wo braucht es mehr Robustheit? Diese Fragen sollten sich Unternehmen unbedingt stellen.

 

Vorteile einer dynamikrobusten Organisation

Die Vorteile einer dynamikrobusten Organisation liegen in einer schnelleren Adaption. Sie können auf Veränderungen von aussen flexibler regieren und Umständen wie dem Fachkräftemangel schon jetzt entgegenwirken. Zum Beispiel indem sie sich fragen, welche vermeintlich robusten Teile auch digital abgewickelt werden können, sodass bestimmte Fachkräfte gar nicht mehr benötigt werden. Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze kostet, vielmehr löst sie Probleme, die aufgrund des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren entstehen werden. Zudem trägt sie dazu bei, dass wieder mehr Fachkompetenz gebraucht wird und dadurch mehr Könner als nur Wissende in den Unternehmen sind – und genau diese Menschen brauchen wir auf dem Weg zur dynamikrobusten Organisation.

 

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