Warum Führung nicht mehr funktioniert

Lange hatten Führungskräfte in Unternehmen ein bequemes Leben. Es war leicht, an gute Fachkräfte zu kommen und passte es doch nicht, stand schon die nächste vor der Tür. Die Arbeitsmoral bei den Mitarbeitenden war hoch.

Über Themen wie eine 4-Tage-Woche, Homeoffice oder sonstige Benefits wurde gelacht. Schliesslich konnte jeder froh sein, überhaupt Arbeit zu haben. Die Hierarchien waren klar, die Fehlerkultur unbarmherzig und das Wort des Chefs Gesetz. Und heute? Chaos, Fachkräftemangel, Krisen, Unsicherheit – die Führung muss reagieren.

Vielen Führungskräften fällt es schwer, plötzlich umzudenken. Das wird zum Beispiel in einer Befragung vom Bundesverband der Personalmanager*innen (BPM) und der Personal- und Managementberatung Kienbaum deutlich. Von den 240 befragten Führungskräfte gaben 62 % an, dass sie durch Remote Leadership eine Überlastung, Erschöpfung und Überarbeitung erleben. Nicht zuletzt liegt das daran, dass festgefahrene Strukturen und Muster nicht aufgebrochen werden. Was folgt ist die Erkenntnis, dass die Rolle Führungskraft neu geschrieben werden muss und das eigene Selbstbild längst nicht mehr in den Spiegel der modernen Arbeitswelt passt.

 

Die Welt ist nicht, wie wir sie sehen

Jeder Mensch sieht und erlebt die Welt mit seinen eigenen Augen. Geprägt durch unsere Werte, Erfahrungen und Glaubenssätze schaffen wir uns eine eigene Realität. In dieser ist vollkommen klar, warum wir auf eine gewisse Art denken, fühlen und handeln. Das setzen wir auch als Massstab für alle anderen an. Das ist übrigens auch ein Grund, warum wir uns so gerne mit Menschen umgeben, die genauso denken und handeln wie wir. Psychologen beschreiben dieses Phänomen als Self Hugging. Deutlich wird es, wenn wir einen Blick in die Führungsetagen großer Unternehmen werfen. Meist treffen wir dort auf Personen, die gleich ticken, gleich alt sind, ähnliche Werdegänge haben. Zugegeben, es ist wunderbar bequem, sich nicht mit anderen Meinungen und Ansichten auseinandersetzen zu müssen, insbesondere dann, wenn es stressig wird. Jetzt ist es allerdings so, dass uns die Routinen in der neuen Arbeitswelt nichts mehr nutzen. Schlimmer noch: Sie sind kontraproduktiv und verhindern eine Weiterentwicklung. Es braucht dringend eine Veränderung des Führungsstils – und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieser Weg keine Autobahn, sondern ein schmaler und anstrengender Gebirgspfad ist. Doch es lohnt sich, denn die Aussicht auf dem Gipfel ist grandios.

 

Das eigene Betriebssystem aktualisieren

Kommandieren, kontrollieren, korrigieren – so habe ich Führung beim Schweizer Militär noch gelernt. Auch heute könnte ich mein Team noch so führen, doch wahrscheinlich hätte ich dann bald niemanden mehr, den ich führe. Die jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte wollen Leader, die ihnen auf Augenhöhe begegnen, die sie fördern, coachen und weiterbringen. Das strahlt auch immer weiter in die älteren Generationen, die ebenfalls längst nicht mehr so geführt werden wollen wie noch vor 10 oder 20 Jahren. In unserem inneren Betriebssystem hat sich allerdings das verankert, was wir selbst früher über Führung lernten, wie wir sie erlebten und wie wir lange Zeit geführt haben. Dem eigenen Betriebssystem ein Update zu geben, braucht eine gewisse Zeit und den Willen wirklich etwas ändern zu wollen. Das heisst: raus aus der Komfortzone, sich auf neue Ansätze einlassen und Durchhaltevermögen zeigen. Denken Sie weiter daran, wie grossartig die Aussicht vom Gipfel ist und wie befriedigend das Gefühl diesem Schritt für Schritt näher zu kommen.

 

Was zeichnet den guten Leader aus?

Auf dem Weg zu Ihrem neuen Ich als Führungskraft werden Sie erleben, welche enorme Wirkung Ihr Verhalten auf Ihre Mitarbeitenden und damit auch auf die gesamte Organisation hat. Wie sich völlig neue Lösungswege erschliessen, wenn Sie den Menschen den nötigen Raum geben. Und auch wie Sie sich selbst zum positiven verändern und die Aufgabe des Leaders als das sehen, was sie ist: entwickeln und unterstützen, statt kontrollieren und kommandieren.

 

In meinem aktuellen Buch «Die neue Leadership-DNA: Prinzipien für einen radikalen Umbau der Führung» lesen Sie mehr dazu, warum die Veränderung bei Ihnen selbst beginnt und wie Sie Ihr Betriebssystem umprogrammieren.

Möchten Sie mehr zu diesem
Thema erfahren?
Dann melden Sie sich bei Roman P. Büchler